1. November 2026
In dieser Predigt geht es um die Kraft, die im Gebet steckt, und wie wir im Alltag ganz natürlich mit Gott sprechen können. Du nimmst praktische Tipps mit, wie Beten nicht zum Krampf wird, sondern Freude macht und reale Auswirkungen auf dein Umfeld haben kann.
Teil der Serie KRAFT
Bibelstellen: 1. Korinther 14, Jesaja 62,6-7
Wir reden heute über die Kraft des Gebets und spezifisch über Fürbitte. Fürbitte bedeutet, für jemanden zu bitten. Es bedeutet, für jemanden in den Riss zu stehen. Dort, wo zwischen den Menschen und Gott ein Riss ist, stehen wir im Gebet ein. Wenn Umstände noch nicht in der Ordnung sind, wie Gott sich das denkt, bewegen wir das im Gebet vor Gott.
Es gibt dabei zwei Wege. Einerseits leben wir in dieser Welt, haben Beziehungen und ein Umfeld. Das, was wir wahrnehmen und was uns bewegt, dürfen wir vor Gott bringen. Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, beten wir für sie und stellen sie unter den Schutz von Jesus. Wenn jemand krank ist, beten wir für Heilung. Wenn wir einen trockenen Sommer haben, beten wir für Regen. Wir nehmen Umstände wahr und stehen dafür ein.
Der andere Weg ist, dass wir Gott fragen: Herr, wie siehst du denn die Situation? Was sind deine Gedanken über diesen Menschen? Denn das, was wir hören, sehen und fühlen, ist nur ein Teil der Realität. Es gibt eine unsichtbare Welt, die genauso real ist. Wir haben das Privileg, dass wir durch Jesus einen Zugang haben und Gott fragen dürfen. Aus dem heraus, was wir von ihm hören, dürfen wir für die Umstände und die Menschen beten. Gott kann dir einfach etwas aufs Herz legen, wofür du im Gebet einstehen sollst.
Es gibt dazu einen prophetischen Impuls in Jesaja 62.
«Jerusalem, ich habe Wächter auf deine Mauern gestellt, die den Herrn Tag und Nacht an sein Versprechen erinnern sollen. Ihr Wächter, hört nicht auf zu beten, nicht einen Augenblick. Gönnt euch keine Ruhe. Lasst auch Gott keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufgebaut hat und die Stadt auf der ganzen Erde bewundert wird.» (Jesaja 62,6-7)
Das Bild von dem Wächter auf der Mauer ist die Grundlage für ganz viele Fürbittedienste, zum Beispiel die Gebetsmauer für die Schweiz. Die Aufgabe vom Wächter können wir auch als Fürbitter übersetzen. Es geht darum, Gott an seine Verheissungen zu erinnern. Seine Verheissungen finden wir im Wort der Bibel. Es ist wichtig, dass wir seinen Herzschlag und sein Wort kennen. Er liebt die Menschen und hat gute Gedanken über jedem Einzelnen. Keiner ist per Zufall entstanden.
Gott hat jeden Einzelnen für die Gemeinschaft mit ihm geschaffen. Er hat Gedanken der Hoffnung und der Zukunft über jedem Leben. Gott liebt Nationen und sehnt sich danach, dass Länder und Städte umkehren, dass Busse passiert und man wieder in der Versöhnung und Gemeinschaft mit ihm lebt. Aus dieser Perspektive dürfen wir beten. Falls es dir schwerfällt, hoffnungsvoll zu beten, und du lieber über die Welt und die Schweiz schimpfst, dann lade ich dich ein: Sag dem Herrn, dass er dir wieder diese Perspektive der Hoffnung schenken soll. Es ist ein wunderschönes Bild, gemeinsam als Wächter auf der Mauer zu stehen und Gott zu erinnern. Er ist es, der Leben, Städte und Nationen baut und wiederherstellt.
Ich möchte dazu ein Beispiel aus meinem Leben erzählen. Vor etwa zwei Jahren war ich zu Hause und hatte den Eindruck, ich solle für die Schweiz und für die Sicherheit im Land beten. Ich habe im Sprachengebet gebetet und dann kam mir ein Satz in den Sinn: Herr, Pläne, die in der Dunkelheit geschmiedet worden sind, sollen jetzt ans Licht kommen. Dieser Gedanke kam immer wieder. Ich habe von Herzen für die Sicherheitsbehörden und die Polizei gebetet. Das ging ungefähr eine Dreiviertelstunde bis Stunde so. Ich wusste nicht genau, worum es ging, aber ich habe einfach für das Land und die Sicherheit gebetet.
Nach dieser Zeit war die Gebetslast wie weg, es war wieder ruhig in meinem Herzen. An diesem Abend las ich in den Medien, dass an dem Tag am Flughafen in Zürich ein Mann mit terroristischen Verbindungen und Absichten verhaftet worden war. In dem Moment dachte ich: Wahrscheinlich habe ich genau dafür gebetet. Mir ist völlig bewusst, dass das nicht mein Gebet allein war. Aber im Bild der Gebetsmauer gesprochen: Gott hat mich einfach für eine Schicht auf die Mauer gesetzt und berufen.
Gott liebt es, mit dir zusammen zu sein und mit dir zusammen etwas in der Welt zu bewegen. Wir dürfen im Gebet Verantwortung übernehmen für das, was uns anvertraut ist: für unser Leben, unsere Umstände, unsere Familien, vielleicht den Verein, in dem du dich engagierst, deine Arbeitsstelle im Spital, bei der Polizei oder in der Schule. Du darfst im Gebet einstehen und damit rechnen, dass etwas passiert. Wir alle sehnen uns nach Gottes Reich, nach seiner Kraft und Herrlichkeit. Es ist seiner Gemeinde anvertraut, dafür zu beten. Es ist nicht die Aufgabe der Welt. Wir sollen mutig dafür beten, dass sein Reich kommt und sein Wille geschieht, wie im Himmel so auf Erden.
Falls das Thema Gebet noch Neuland für dich ist oder du es eher als Krampf empfindest, möchte ich dir ein paar Ermutigungen für die praktische Anwendung mit auf den Weg geben. Gebet darf Freude machen! Ich liebe die Zeit, mit Gott zusammen zu sein, mein Herz auszuschütten und darauf zu hören, was sein Herz bewegt.
Finde deinen eigenen Zugang. Für die einen ist es super einfach, am Morgen aufzustehen und sich aufs Sofa zu setzen. Andere beten lieber am Abend oder beim Spazieren. Ich habe gemerkt, dass ich eher der Spazierer bin. Finde heraus, wie es dir leichtfällt und Freude macht. Mach kleine Schritte, die du gut in dein Leben integrieren kannst.
Manchmal gibt es Situationen, in denen ich von der Not so überwältigt bin, dass mir die Perspektive Gottes fehlt. Ein Weg, wie du in solchen Momenten deinen Glauben stärken kannst, ist durch das Sprachengebet. Der erste Korintherbrief 14 spricht darüber, dass das Sprachengebet den Glauben stärkt. Ich erlebe immer wieder, dass meine Seele dadurch zur Ruhe kommt und mein Geist wieder hören kann, was der Heilige Geist zeigt.
Ein weiterer Punkt: Nimm Impulse wahr. Wenn du dir Zeit fürs Gebet nimmst und dir plötzlich Gedanken in den Sinn kommen, zum Beispiel eine Aufgabe, die du noch erledigen musst, dann stress dich nicht. Schreib es auf einen Zettel, dann kannst du es gedanklich wieder loslassen. Manchmal kommen dir auch Personen oder Gespräche in den Sinn. Ich möchte dich ermutigen, dann für das zu beten, was dir in den Sinn kommt. Vielleicht fragst du später am Tag bei der Person nach und merkst, dass es genau der richtige Moment war. Manchmal denkt man, der Teufel wolle einen ablenken, aber vielleicht ist es auch der Heilige Geist, der dir einen Impuls gibt. Probier es aus und lerne die persönliche Art kennen, wie der Heilige Geist mit dir redet.
Ein weiterer Punkt ist: Sei störbar. Gerade im Alltag, wenn du zu Hause bist, den Haushalt machst und gefühlt immer Arbeit hast. Gott kennt dich und deine Ressourcen. Wenn du zum Beispiel gerade am Staubsaugen bist und plötzlich ein Impuls kommt, für etwas zu beten, dann stell den Staubsauger kurz ab. Wenn Gott dich ruft und sagt, er brauche jetzt eine Schicht auf der Gebetsmauer, dann geh dem nach. Räume ihm Platz ein und sei störbar in deinem Alltag.
Wir alle sind eingeladen, immer wieder in die Haltung der Jünger zu schlüpfen und zu sagen: Herr, lehre uns beten. Ich spreche oft: Herr, bitte nimm mich an der Hand, Heiliger Geist, und lehre mich. Egal, wo du stehst, ob du schon Jahrzehnte Erfahrung hast oder ob es noch unbekannt für dich ist: Sei mutig und probiere etwas Neues aus. Mach kleine Schritte, die für dich machbar sind. Bleib dran und stell dir vor, wo du in fünf oder zehn Jahren stehst und was du bis dahin alles mit dem Heiligen Geist gelernt hast.
Herr, ich danke dir für deine Gegenwart. Danke, dass du da bist und dass du uns geschaffen hast, um Gemeinschaft mit dir zu haben. Danke, dass wir vor dich treten dürfen und dass du es liebst, mit uns zusammen dein Reich auf dieser Welt zu bauen. Du hast uns anvertraut, dass wir im Gebet für diese Welt einstehen dürfen, damit dein Reich kommt und dein Wille geschieht. Was für ein Privileg, gemeinsam zu beten. Herr, bitte leite und führe uns. Bitte rüste uns mit dem aus, was wir brauchen. Ich danke dir für diese Zeit und deine Gegenwart. Wir lieben dich und beten dich an. Amen.