Predigt von Lars Diem · 25. Oktober 2026
In dieser Predigt geht es um den Heiligen Geist – wer er ist, warum wir oft falsche Vorstellungen von ihm haben und wie er uns im Alltag helfen kann. Du bist eingeladen, alte Vorurteile abzulegen und zu entdecken, wie ein Leben aus der Kraft und Liebe Gottes aussehen kann, statt aus eigenem Krampf.
Teil der Serie KRAFT
Bibelstellen: Johannes 15, Lukas 11,13, Johannes 14,15, Johannes 14,16, Johannes 16,7, Johannes 14,15-26
Ich erinnere mich an meine Lehre. Das ist ja der Ort, wo man lernt und auch Fehler macht, und ich habe viele Fehler gemacht. Dann wurde ein neuer Mitarbeiter angekündigt, ein neuer Unterstift. Schon Monate bevor er kam, hiess es bei jedem meiner Fehler: Da musst du aufpassen, dass der dich nicht überflügelt! Bei jedem Fehler hörte ich diesen Satz. Als die Person dann kam, dachte ich nicht wirklich: Herzlich willkommen. Ich hatte so viele Vorurteile. Das war unfair der Person gegenüber, und wir haben sehr lange gebraucht, bis wir miteinander warm wurden. Wenn man schon so viele Sachen über eine Person gehört hat, steckt man sie in eine Schublade. Man ist nicht bereit, ihr offen zu begegnen.
Kennst du dieses Bild? Du stehst mit verschränkten Armen da und denkst: Komm mal, zeig mal, was du draufhast. Das Problem ist: Wenn du einen Raum betrittst, spürst du sofort, ob du willkommen bist oder nicht. Wenn ich spüre, dass ich willkommen bin, kann ich von Anfang an ich selber sein. Wenn ich aber das Gefühl habe, nicht willkommen zu sein, habe ich grosse Mühe damit. Es ist unfair, Vorurteile zu haben, bevor man eine Person überhaupt kennengelernt hat. Meine Körpersprache zeigt das, auch wenn ich es vielleicht nicht ausspreche.
Was macht eigentlich eine Person aus? Eine Person hat Intelligenz, einen Willen und Gefühle. Der Heilige Geist hat einen Willen, denn er verteilt Gaben, wie er will. Der Heilige Geist hat auch Gefühle, er kann betrübt werden. Ich werde auch sehr schnell betrübt, weil ich viele Gefühle habe. Wenn man abgewiesen wird oder sich nicht willkommen fühlt, ist das sehr schwierig. Der Heilige Geist ist eine Person: Er lehrt und erinnert uns.
Jetzt ist die Frage: Wie begegne ich dieser Person? Vielleicht habe ich Angst. Vielleicht weiss ich nicht, wie ich reagieren soll, oder ich habe schon Dinge gehört wie: Du musst aufpassen, es könnte ein Geist von unten sein. Die grösste Sünde des Menschen ist es, nicht nach Gott zu fragen. Und wenn der Heilige Geist eine Person ist, ist das Schlimmste, was ich tun kann, ihn zu ignorieren. Letzthin bin ich mit dem Auto gefahren. Mitten in einer Kurve habe ich plötzlich den Schmerz des Heiligen Geistes gespürt, wenn Menschen nicht nach ihm fragen oder ihn ignorieren. Es war nur ein kurzer Augenblick, der mir seine Heiligkeit und Verletzlichkeit gezeigt hat.
Der Heilige Geist ist eine wunderbare Person. Je besser ich ihn kennenlerne und je mehr ich mit ihm erlebe, desto mehr schätze ich ihn. Aber vielleicht haben wir ein falsches Bild von ihm. Vielleicht haben uns andere Menschen mit ihrem Verhalten überfordert, wenn sie Gaben extrem ausgelebt haben. Das ist aber nicht das Problem des Heiligen Geistes, sondern der Menschen. Wo Menschen sind, passieren Fehler und Verletzungen. Vielleicht hast du auch schon Erfahrungen gemacht, bei denen es dir heiss und kalt den Rücken hinunterlief, und du hast dich unwohl gefühlt. Aber ich sage dir: In der Gegenwart des Heiligen Geistes fühle ich mich unvorstellbar wohl, weil er gut ist, weil er Gott ist und weil ich ihn liebe.
All diese Erlebnisse führen zu Vorurteilen. Aber in der Bibel steht:
«Wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn darum bitten!» (Lukas 11,13)
Der Vater gibt den Heiligen Geist denen, die ihn darum bitten. Vielleicht stehst du jetzt da, hast einen grossen Rucksack an Erfahrungen und bist abwehrend. Mein Wunsch ist, dass du Vorurteile, Enttäuschungen und Verletzungen ablegen kannst. Das braucht vielleicht Kraft, aber es verändert deine Haltung.
Es ist wie bei einer Tür, die zu ist, aber durch die goldenes Licht scheint. Die Frage ist: Bin ich bereit, die Tür für den Heiligen Geist aufzumachen? Wenn der Heilige Geist anfängt zu wirken, heisst das auch, Kontrolle abzugeben. Es bedeutet zu sagen: Heiliger Geist, du darfst es auch anders machen, als ich es mir vorstelle. Ich bin parat. Ich stehe einen Schritt zurück und bin gespannt, wie du es machst. Es braucht Flexibilität und die Bereitschaft, die eigenen Vorstellungen loszulassen.
Warum brauchen wir den Heiligen Geist überhaupt? Was sagt Jesus darüber? Paulus sagt vieles, aber wenn ich es direkt von Jesus höre, kann ich es mir noch besser vorstellen. Wir schauen uns dazu Johannes 14 bis 16 an. Ich empfehle euch, diese drei Kapitel im Johannesevangelium einmal ganz durchzulesen.
Jesus sagt dort:
«Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.» (Johannes 14,15)
Ich dachte früher immer, Gebote zu halten sei ein Krampf. Es braucht sehr viel Anstrengung. Aber wenn man genau liest, heisst es: Wenn ihr mich liebt. Es geht nicht in erster Linie um die Gebote, sondern um die Liebe zu Jesus. Ich halte die Gebote nicht, um mich selbst zu retten. Alles, was Jesus für mich getan hat, ist Gnade. Gnade bedeutet, dass ich es mir nicht selbst erarbeiten kann. Wenn ich Jesus liebe, halte ich seine Gebote nicht, weil ich muss, sondern weil ich will. Liebe ist freiwillig. Das ist eine ganz andere Lebenskultur und bringt eine unglaubliche Freiheit.
Weiter sagt Jesus:
«Und der Vater wird euch an meiner Stelle einen anderen Helfer geben, der für immer bei euch sein wird.» (Johannes 14,16)
Der Heilige Geist wird für immer bei uns sein. Er wird mich nicht verloren geben. Vielleicht hast du erlebt, dass Menschen dich aufgegeben haben. Das ist sehr schlimm. Aber der Heilige Geist wird dich nie aufgeben. Er ist der Geist der Wahrheit, der in uns sein wird. Unser Körper ist ein Tempel des Heiligen Geistes.
Jesus sagt auch, dass der Heilige Geist uns alles Weitere lehren wird. Dazu erzähle ich euch eine Geschichte. Ich war in einem Camp und da war ein sechzehnjähriger Teenager, der sehr viele Probleme machte. Ich musste mit ihm reden und eigentlich hätte ich ihn nach Hause schicken müssen. Ich wusste überhaupt nicht, wie ich mit der Situation umgehen sollte und war völlig überfordert.
Ich hatte auch kein besonderes Gefühl. Der Heilige Geist ist nämlich mehr als nur ein Gefühl. Wenn ich alles nur nach Gefühl machen würde, wäre das nicht gut. Ich ging also in dieses Gespräch, ohne zu wissen, was ich sagen sollte. Ich betete innerlich: Heiliger Geist, gib mir die richtigen Worte. Dann fing ich an zu reden und merkte plötzlich, wie ein roter Faden entstand. Am Schluss entschied sich der Teenager zu bleiben und sein Verhalten zu ändern. Wir machten ab, dass wir uns immer vor dem Essen treffen. Sein Verhalten wurde völlig anders und er fing sogar an, Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen. Damit hätte ich nie gerechnet. Das ist der Unterschied, wenn der Heilige Geist anfängt zu reden.
Der Heilige Geist lehrt uns in Alltagssituationen und er erinnert uns an alles, was Jesus gesagt hat. Ist das nicht wunderbar?
Jesus sagt seinen Jüngern:
«Doch glaubt mir, es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht von euch wegginge, käme der Helfer nicht zu euch.» (Johannes 16,7)
Ich habe das Wort gut im griechischen Urtext nachgeschlagen. Es bedeutet übersetzt: Es ist besser, es ist nützlich, es ist von Vorteil. Es ist also von Vorteil für uns, dass der Heilige Geist kommt! Der Geist der Wahrheit wird uns zum vollen Verständnis der Wahrheit führen. Er wird verkünden, was er von Jesus empfängt.
In der Apostelgeschichte heisst es, dass wir Kraft empfangen werden, wenn der Heilige Geist auf uns gekommen ist, um Zeugen zu sein. Ich dachte früher, ich müsse aus eigener Kraft ein Zeuge für Jesus sein. Aber das funktioniert nicht. Wenn der Heilige Geist in mir wirkt, geschieht es aus seiner Kraft. Dann wird das, was vorher ein schwerer Krampf war, zur Freiheit.
Der Heilige Geist ist eine wunderbare Person. Er ist ein Gentleman und respektiert es, wenn du abwehrend bist. Er drängt sich nicht auf. Aber er ist derjenige, der das Feuer für Jesus in unserem Herzen am Brennen hält. Aus eigener Kraft ist das sehr schwierig. Der Heilige Geist hat die grösste Freude daran, wenn du Jesus liebst.
Möchtest du dem Heiligen Geist die Tür öffnen und ihn willkommen heissen? Du musst das überhaupt nicht, bei Gott ist alles absolut freiwillig. Vielleicht bist du noch skeptisch, weil du schon so vieles gehört hast. Aber du darfst einfach den Vater bitten, dass er dir den Heiligen Geist gibt, und darauf vertrauen, dass er es gut mit dir meint.
Zum Schluss noch ein kleines Geheimnis: Als Jesus getauft wurde und aus dem Wasser stieg, betete er. Wir wissen nicht genau, was er gebetet hat, aber auf dieses Gebet hin öffnete sich der Himmel und der Heilige Geist kam auf ihn herab.
Ich möchte dich ermutigen, dieses Gebet auch zu sprechen. Wenn du Hilfe brauchst, komm gerne auf das Gebetsteam zu. Du darfst deine Vorurteile ablegen und einfach sagen: Heiliger Geist, komm du, so wie du möchtest. Ich bin da. Amen.