Kraft, neu definiert

Predigt von David Ohnemus · 16. August 2026

Wir sind oft fasziniert von weltlicher Kraft – von Muskeln, Intelligenz oder eiserner Willenskraft. Doch diese Art von Stärke stösst an ihre Grenzen, wenn das Leben Risse bekommt. Entdecke, warum die wahre, verändernde Kraft im Christentum eine völlig andere ist: die Liebe, die gerade in unserer Schwachheit am grössten wirkt.

Teil der Serie KRAFT

Bibelstellen: 1. Timotheus 4,8, 1. Korinther 13,1-3

Predigt zum Nachlesen

Weltliche Kraft und der Glaube

Wir starten gemeinsam eine neue Serie unter dem Begriff Kraft. Kraft ist etwas, das uns beeindruckt. Ich habe ein paar Beispiele mitgebracht: Ein schnaubender Rodeo-Stier, bei dem man spürt, da ist Kraft. Oder ein Wasserfall, wo die Wassermassen hinunterdonnern. Oder der Start einer Rakete, die unglaubliche Kraft benötigt – leichte Raketen wiegen 600 Tonnen, das sind 150 Einfamilienhäuser, schwere bis zu 5000 Tonnen. Diese Kraft katapultiert sie nach oben.

Diese Woche haben wir hier auf dem Vorplatz eine kurze Schallwelle miterlebt. Es hat richtig geknallt und eine Staubwolke fegte über den Platz. Ein ein Meter hohes Rad eines Radladers war geplatzt. Da spürt man, was für eine Kraft dahintersteckt. Natürlich gibt es auch Kraft bei Menschen. Wir bewundern kräftige oder schnelle Menschen, die 80 Meter rennen, am höchsten springen oder die meisten Muskeln haben.

Wenn man in einer Predigt über Kraft spricht, passiert es schnell, dass man dieses weltliche Bild von Kraft auf den Glauben überträgt. Man denkt an eine geistliche Kraft, bei der man radikal und diszipliniert vorwärtsgeht, früh aufsteht und viel in der Bibel liest. Aber was bedeutet Kraft im Reich Gottes wirklich?

Das Problem mit der Willenskraft

Wenn wir das weltliche Bild von Kraft anwenden, bedeutet das, dass man ein geistlicher Athlet werden muss. Aber im Sport landen nur 0,1 Prozent im absoluten Topbereich. Die restlichen 99,9 Prozent bleiben einfach Durchschnitt. Es wird immer nur einen winzigen Bereich von Menschen geben, die ganz oben mitmischen, und eine grosse, mittelmässige Masse. Genauso ist es mit der Willenskraft. Es gibt vielleicht ein Prozent der Menschen, die robuster sind, mehr Willenskraft aufbringen, Firmen gründen und einfach mehr Power haben.

Meine Frau und ich schauen momentan eine Fernsehserie namens «Alone». Da werden zehn Personen in der Wildnis von Alaska ausgesetzt, völlig isoliert. Sie haben nur zehn Gegenstände dabei, wie Pfeilbogen, Axt und Feuerstahl. Das Ziel ist es, so lange wie möglich zu überleben. Einige bleiben bis zu 100 Tage, bis in den tiefen Winter. Bei den medizinischen Checks zeigt sich oft, dass die Willenskraft einiger Teilnehmer stärker ist als ihre körperliche Kraft. Sie würden sich zu Tode hungern, um zu gewinnen, bis der Arzt sie aus dem Rennen nehmen muss. Diese Willenskraft ist faszinierend.

Aber die grosse Masse der Menschen ist eben einfach normal. Ein bisschen schlau, ein bisschen stark, aber nicht herausragend. Wenn wir dieses Bild von Kraft auf den Glauben übertragen, ist das nicht sehr ermutigend. Wahrscheinlich bist du nicht der nächste grosse Missionar und bringst nicht die nächste grosse Erweckung. Noch schwieriger wird es, wenn du dein Leben nicht mehr unter Kontrolle hast. Wenn Dinge auseinanderbrechen, Beziehungen zerbrechen, du den Job verlierst oder das geistliche Leben austrocknet. Wenn die Kraft schwindet, man krank, schwach, vergesslich oder alt wird. Nach den Massstäben dieser Welt ist das alles unschön.

Kraft liegt nicht im Verstand

Die Kraft des Christentums hat einen ganz anderen Boden. Sie definiert sich anders und das ist ermutigend. Kraft im Christentum ist nicht körperliche Stärke. Es gibt einen Bibelvers im 1. Timotheus 4, der sagt: «Übe dich in der Frömmigkeit, denn körperliches Training nützt nur wenig.» Wenn du heute Morgen schon im Fitnessstudio warst, ist das gut, aber es bringt eben nur wenig. Die Kraft des Christentums liegt nicht in der Muskelkraft.

Sie liegt übrigens auch nicht im Verstand und in der Schlauheit. Es ist unglaublich, wie Gott Menschen intellektuell leitet. Wir waren kürzlich in Cambridge. Es ist faszinierend, wenn man durch diese Stadt läuft, die an jeder Strassenecke vor Intelligenz strotzt. Wir sind durch das Trinity College spaziert und haben die grosse Mensa mit den Bildern all dieser unglaublichen Persönlichkeiten gesehen. Sogar Isaac Newton hat dort studiert, der die Gravitationskraft entdeckt hat. Aber die Kraft des Christentums liegt auch nicht im Verstand.

Wo liegt sie dann? Wir sind oft so geblendet von all dem, was die Welt beeindruckt, dass wir verpassen, was Gott beeindruckt. Vielleicht bist du ein Top-Athlet oder gehörst zu den Führungspersönlichkeiten mit enormer Kapazität. Vielleicht stehst du sicher im Leben oder hast einen beeindruckenden Glauben und wärst sogar bereit, dein Leben dafür zu opfern. Aber weisst du, was die Bibel dazu sagt?

Ohne Liebe sind wir nichts

Im 1. Korinther 13, dem berühmten Hochzeitskapitel, steht eine harte Konfrontation gegenüber der Kraft dieser Welt. Dort heisst es: «Wenn ich in den schönsten Sprachen der Engel oder den schönsten Sprachen der Menschen rede, aber keine Liebe habe, bin ich nichts weiter als ein dröhnender Gong oder eine lärmende Pauke.» Du kannst super geistlich sein, dich perfekt artikulieren und Klarheit haben. Aber wenn dir die Liebe fehlt, ist es nur Lärm, eklig und unangenehm.

Weiter heisst es: «Wenn ich prophetische Eingebungen habe, wenn mir alle Geheimnisse enthüllt sind und ich alle Erkenntnis besitze, wenn mir der Glaube im höchsten nur denkbaren Mass gegeben ist, sodass ich Berge versetzen kann, wenn ich all diese Gaben besitze, aber keine Liebe habe, bin ich nichts.» Du kannst die Bibel auswendig kennen und einen Glauben haben, der Berge versetzt – der Inbegriff von Kraft. Aber Gott sagt: Wenn dir die Liebe fehlt, bist du nichts.

Und es geht noch weiter: «Wenn ich meinen ganzen Besitz an die Armen verteile und wenn ich sogar bereit bin, mein Leben zu opfern, um mich bei lebendigem Leib verbrennen zu lassen, aber keine Liebe habe, nützt es mir nichts.» Du kannst dich für Menschen in Not hingeben, deinen ganzen Besitz verkaufen und sogar als Märtyrer sterben. Aber wenn du keine Liebe hast, nützt es dir absolut nichts. Es gibt dafür keine Extrapunkte im Himmel. Egal wie kräftig dein Leben wirkt, ohne Liebe sind all die Anstrengungen umsonst.

Die wahre Kraft ist für alle greifbar

Wir spüren, wo die wahre Kraft des Christentums liegt: Sie liegt in der Liebe. Und das Unglaublich Schöne daran ist: Um zu lieben, musst du nicht wahnsinnig begabt sein. Du brauchst keinen hohen IQ, du musst nicht schlau, stark oder schnell sein. Du musst in kein kräftiges Bild dieser Welt passen. Gott hat es so geformt, dass die Kraft des Christentums für alle greifbar ist.

Es spielt keine Rolle, wenn du krank, vergesslich oder alt wirst. Die Fähigkeit zu lieben bleibt. Wenn wir das Neue Testament lesen, sehen wir, dass im Team von Jesus nicht einfach die Starken, Begabten und Schnellen sind. Jesus hat nicht die absoluten Top-Leute gesammelt, um die beste Firma der Welt zu gründen. In seinem Team haben die Schwachen Platz. Die Bibel stellt das Bild von Kraft und Erfolg auf den Kopf: Die Letzten werden die Ersten sein, die Schwachen stark.

Vielleicht bist du heute ziemlich am Boden. Vielleicht hat dir das Leben viele Stolpersteine in den Weg gelegt, deine Kraft ist verschwunden und du bist gescheitert. Aber wenn du viel liebst, wird Jesus zu dir sagen: Komm, setz dich neben mich. Er wird dir auf die Schulter klopfen und sagen: Gut gemacht, mein treuer Diener. Die fehlende weltliche Kraft darf nicht zur Entmutigung führen. Jesus lädt genau diese Menschen ein.

Die Quelle der Liebe

Aber unsere eigene Liebe ist oft fehlerhaft und schwach. Wenn wir von der Kraft der Liebe reden, dann liegt die Quelle aller Kraft nicht in der Liebe, die du aufbringst, sondern in der Liebe, die er für dich aufgebracht hat. Der König von Himmel und Erde hat sich aufgemacht auf diese Welt. Sein Name ist Jesus Christus. Er ist in alle Schwachheit hineingegangen, um die Verlorenen zu suchen und zu finden.

Jesus hat sich von den Schwachen ausbremsen lassen. Er hat sich für die Lahmen und Stummen Zeit genommen. Die Schwachen haben sich bei ihm wohlgefühlt, während die beeindruckenden Religiösen eher Mühe mit ihm hatten. Diese Liebe hat Jesus nicht auf einen kräftigen Thron geführt, sondern an ein elendes Kreuz. Er hat keinen Pokal entgegengenommen, sondern Nägel. Dort am Kreuz hat Jesus bis zum allerletzten Atemzug mit einer Liebe geliebt, die diese Welt nicht kennt. Diese Liebe hat die Kraft, dein Leben zu transformieren.

Ich möchte dich einladen, vor dieser Liebe zu kapitulieren. Vielleicht hast du dich bisher an der Kraft dieser Welt festgehalten, an deinem Verstand, deiner Schlauheit oder deinem Erfolg. Lege das nieder und sage: Jesus, ich strecke mich nach deiner Liebe aus. Ich möchte lernen, dass die Kraft der Liebe das Fundament meines Lebens wird. Jesus kommt genau zu dir. Er sagt: Komm an meinen Tisch, er ist für dich gedeckt. Du musst nicht zuerst besser oder stärker werden. Du bist in all deiner Schwachheit eingeladen, weil der, der dich stark macht, in dir lebt.

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