Predigt von Christian Haslebacher · 23. August 2026
In unserer Gesellschaft stehen wir oft unter dem Druck, perfekt zu funktionieren und nach aussen zu «glänzen». Doch was wäre, wenn wir uns von diesem Stress verabschieden und stattdessen von innen heraus «leuchten»? Diese Predigt lädt dich ein, den Perfektionismus abzulegen und eine entspannte, authentische Haltung zu finden, durch die Gottes Liebe in deinem Alltag sichtbar wird.
Teil der Serie KRAFT
Bibelstellen: Matthäus 5,14-16, 2. Korinther 4,6-7
Wir stehen heute an einer Schwelle. An solchen Übergängen hilft es, über ganz Grundsätzliches nachzudenken.
Nach rund 15 Jahren als Regionsleiter sehe ich eine grosse Gefahr. Wenn ich den Auftrag hätte, eine Gemeinde kaputtzumachen, würde ich genau diese Karte spielen. Es wäre eine der effizientesten Methoden überhaupt. Ich sage das als einer der grössten Fans dieser Gemeinde. Doch wenn ich an diese Gefahr denke, spüre ich innerlich ein echtes Brennen.
Ich will heute aber kein Spielverderber sein oder schlechte Stimmung verbreiten. Mir geht es vor allem um eine tiefe Sehnsucht in meinem Herzen. Die Gefahr besteht darin, genau diese Sehnsucht zu verfehlen.
Die Gefahr heisst: Wir wollen glänzen. Das ist fast schon eine Schweizer Krankheit. Wir wollen überall glänzen – als Geschäftsleute, als Chefs, als Mitarbeiter, als Pastoren, ja sogar im Turnverein.
Glänzen bedeutet, dass man gut dastehen muss. Eine Schüssel glänzt aber nur so lange, wie Licht von aussen auf sie fällt. Man glänzt nur, wenn man im guten Licht steht, wenn man besser ist als andere, wenn man beeindruckt und herausragt. Durchschnitt glänzt nicht; wer glänzen will, muss zur Elite gehören.
Das Problem beim Glänzen hat Jesus treffend beschrieben: Von aussen scheint ihr vor den Menschen gerecht, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht. Das war das Problem der Pharisäer. Theologisch lagen sie fast in allem richtig, aber sie hatten mehr im Schaufenster als im Laden. Es war schlichtweg Fake.
Der Kern dieser Botschaft ist: Wir sollen gar nicht glänzen, sondern leuchten. Eine Schüssel glänzt nur von aussen, aber wir sind berufen zu leuchten.
Jesus sagt in der Bergpredigt: «Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.» Niemand zündet ein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit alle es sehen. Und er warnt zugleich: «Schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei.»
Licht kommt von innen heraus. Glanz dagegen bleibt an der Oberfläche. Beides sieht auf den ersten Blick ähnlich aus, aber es ist überhaupt nicht dasselbe.
Was ist dieses Licht? Gott selbst ist das Licht. Es ist Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit. Gottes Herrlichkeit ist seine Schönheit, seine Majestät, seine Liebe und seine Zuwendung. Paulus schreibt, dass Gott sein Licht in unseren Herzen aufleuchten liess. Es ist seine Herrlichkeit, nicht unsere Eloquenz oder unsere eigene Leistung.
Paulus fährt fort: «Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefässen.» Er litt gewiss nicht an Minderwertigkeitskomplexen. Er war hochgebildet, der Kronprinz des grossen Lehrers Gamaliel, sprach mehrere Sprachen und kannte das Alte Testament in- und auswendig. Er hätte glänzen können. Doch er bezeichnet das alles im Vergleich zu Christus als wertlos. Er verstand sich als einfaches Gefäss aus Ton, damit die überfliessende Kraft eindeutig von Gott kommt und nicht von uns.
Johannes Hartl hat einmal gesagt: Es gibt genau eine einzige Sache, die Kirche attraktiv macht – die Gegenwart und Herrlichkeit Gottes. In allem anderen sind Rockkonzerte, Kinos oder Freizeitparks professioneller. Was die Kirche einzigartig macht, ist allein Gottes Gegenwart.
Was ist eigentlich stressiger: Ständig gut dazustehen, besser sein zu müssen als andere, beeindruckend, herausragend und elitär zu wirken? Oder echt und authentisch zu sein, wertschätzend und würdigend, lernbereit, demütig, leidenschaftlich und wirksam durch Gottes Herrlichkeit? Glänzen ist unendlich anstrengend.
Und was inspiriert die Menschen in Amriswil wirklich? Niemand sehnt sich nach einer Gemeinde, die sich elitär über andere erhebt. Was Menschen berührt, ist eine Gemeinschaft, die echt ist, die Menschen annimmt, die lernbereit bleibt und von Gottes Kraft durchdrungen ist.
Warum wollen wir dann so oft glänzen statt leuchten? Manchmal empfinden Menschen, die glänzen wollen, das Leuchten anderer als störend. Wer glänzen will, dem steht schnell jemand im Licht. Doch wer von innen heraus leuchtet, dessen Licht kann man nicht einfach ausknipsen.
Ich wünsche uns von Herzen diese Haltung: Wir wollen nicht glänzen, sondern leuchten. Nicht krampfhaft gut dastehen, sondern echt und authentisch sein. Nicht besser sein wollen als andere, sondern wertschätzend und würdigend miteinander umgehen. Nicht beeindrucken, sondern demütig und lernbereit bleiben. Nicht herausragend sein müssen, sondern leidenschaftlich für Jesus leben. Nicht elitär auftreten, sondern wirksam sein durch Gottes Herrlichkeit.
Lars, ich freue mich über jede beeindruckende Predigt von dir und gönne dir jeden Erfolg von Herzen. Aber vor allem wünsche ich dir, dass du leuchtest. Du musst nicht zur Elite gehören und es ist zweitrangig, was andere sagen. Entscheidend ist einzig, dass Gottes Herrlichkeit auf dir ruht und durch dich hindurchstrahlt. Alles andere ist vergänglich.
Glänzen können nicht alle. Aber in Gottes Herrlichkeit leuchten – dazu sind wir alle berufen. Ich wünsche mir keine Gemeinde, die nur für wohlformulierte Theologie bekannt ist, sondern einen Ort, an dem Gottes Geist spürbar Raum hat. Seid um Gottes Willen eine leuchtende Gemeinde.