Predigt von Lars Diem · 30. August 2026
In dieser Predigt geht es um die wahre Bedeutung des Kreuzes und warum es weit mehr ist als nur ein historisches Ereignis. Du erfährst, wie bedingungslose Gnade uns von Leistungsdruck befreit und echte, tiefgreifende Veränderung in unserem Leben bewirkt. Lass dich ermutigen, Liebe anzunehmen, ohne sie dir verdienen zu müssen.
Teil der Serie KRAFT
Bibelstellen: Johannes 3,16, Johannes 1,1, Philipper 2,6-8, Matthäus 27,46, Kolosser 2,14, 2. Korinther 5,21
Ich hatte die Botschaft schon so oft gehört und war an einem Punkt, wo ich mir sagte, das kenne ich doch alles schon. Ich war fast schon abgestumpft. Doch dann begann ich, eine Sehnsucht in meinem Herzen zu entwickeln. Ich betete: Herr, ich möchte verstehen, was du am Kreuz für mich getan hast.
Ich hoffte, ein Film würde mir dabei helfen. Es ist schon lange her, da schaute ich mir einen sehr realistischen und krassen Film über die Passion an. Ich dachte, wenn ich diesen Film sehe, werde ich verstehen, was Jesus für mich getan hat. Aber der Film hat absolut nichts mit mir gemacht. Meine Sehnsucht blieb: Heiliger Geist, zeig du mir, was Jesus getan hat. Darum geht es heute: um die Kraft des Kreuzes.
Wir sind ja in unsere Predigtserie eingestiegen. Dave hat sie gestartet und gesagt: Kraft bei Gott ist nicht, wenn man seine Muskeln spielen lässt. Kraft bei Gott ist die Liebe, und in der Schwachheit zeigt sich seine Kraft. Christian hat letzten Sonntag ergänzt, dass wir nicht einfach nur Licht reflektieren sollen, sondern selbst leuchten müssen. Ich habe mich also auf die Suche gemacht, was Jesus am Kreuz für mich getan hat. Dafür müssen wir ein paar Schritte zurückgehen und schauen, was das Wort Gottes dazu sagt.
In Johannes 3,16 heisst es: Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen oder einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Alles, was passiert ist, geschah aus der Liebe des Vaters. Er hat die Welt geliebt und seinen Sohn auf die Erde geschickt.
Was bedeutet das genau? In Johannes 1 steht: Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dies war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden. Und später heisst es: Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Jesus war schon vor dem Anfang da. Er ist ganz Gott, und dieser Gott ist Mensch geworden.
Im Philipperbrief heisst es: Er wurde wie ein Mensch und in seiner äusserlichen Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod. Ja, bis zum Tod am Kreuz. Jesus hat als Mensch unter Menschen gelebt. Er hat das Leben mit ihnen geteilt und mit ihnen gegessen, was ein starkes Bild für Gemeinschaft ist.
Jesus wusste, was auf ihn zukommt. Er hätte jederzeit als Gott eingreifen können. Aber er hat es ertragen, verspottet und verachtet zu werden. Seine Freunde haben ihn verraten, man hat ihn angespuckt. Er ist treu geblieben bis in den Tod. Am Kreuz rief er mit lauter Stimme: Eli, Eli, lema sabachtani, das heisst: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Jesus hat die Ewigkeit immer in tiefster Verbundenheit mit dem Vater verbracht. Der Moment am Kreuz, wo Gott der Vater sich vom Sohn abwenden musste, war der krasseste Moment überhaupt.
Diese Gottverlassenheit hat Jesus für mich auf sich genommen. Man kann das mit einer Atomspaltung vergleichen. Wenn ein Neutron auf ein Atom trifft und es spaltet, werden neue Neutronen freigesetzt. Die Spaltung von nur einem Gramm Uran setzt die Kraft von zwei Tonnen Heizöl frei. Das ist eine gewaltige Kraft.
Die Kraft, die freigesetzt wurde, als Jesus am Kreuz starb, ist unvorstellbar gross. Jesus ist für alle Schuld der Menschen gestorben. Er ist für Krankheiten, für Leiden und für Flüche gestorben. Er hat den Zorn Gottes auf sich genommen. Wenn ich verstehe, was das für mein Leben bedeutet, setzt das eine enorme Kraft frei.
In Kolosser 2,14 heisst es: Er hat die gegen uns gerichtete Schuldschrift ausgelöscht. Ausgelöscht bedeutet wirklich weg. Wenn ich einem Freund vergebe, aber die Sache bei einem späteren Streit wieder hervorhole, ist das keine echte Vergebung. Gott macht das nicht. Wenn es vergeben ist, ist es vergeben.
In 2. Korinther 5,21 steht: Denn er hat den, der noch von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden. Wenn du Jesus dein Leben anvertraust, gilt das für dich. Er hat alle meine Schuld auf sich genommen, und ich bin nun die Gerechtigkeit Gottes in Jesus Christus. Das hat null mit meiner eigenen Leistung zu tun, sondern nur mit dem, was er getan hat.
Jesus wurde zwischen zwei Verbrechern gekreuzigt. Der Theologe Timothy Keller sagt dazu etwas sehr Treffendes: Das Evangelium ist zwischen zwei Irrtümern gekreuzigt worden.
Der erste Irrtum ist die Gesetzlichkeit. Du bittest Jesus um Vergebung, glaubst an ihn und nimmst ihn in dein Leben auf. Aber dann sagt die Gesetzlichkeit: Jetzt bist du verantwortlich, deinen Teil beizutragen. Jetzt darfst du nicht mehr sündigen, musst diese und jene Gesetze halten und stehst unter enormem Druck.
So schnell verfallen wir dem Gedanken, dass wir zu unserer Rettung etwas beitragen müssen. Aber alles ist Gnade. Gnade ist ein Geschenk, das ich nicht verdient habe und mir auch nicht verdienen kann. Paulus sagt, er predige nichts anderes als Christus den Gekreuzigten.
Es ist ein riesiger Unterschied, ob ich etwas tue, weil ich es muss, oder weil ich es will. Wenn ich einfach mit Gott lebe und Jesus liebe, tue ich die Dinge nicht aus Zwang, sondern aus Liebe. Gesetzlichkeit ist ein Krampf. Wir müssen immer wieder kapitulieren, zum Kreuz kommen und uns auf den Boden der unverdienten Gnade stellen.
Der zweite Irrtum ist der Relativismus. Dieser sagt: Es kommt nicht darauf an, wie ich lebe. Jesus hat sowieso alles für mich bezahlt und vergibt mir ja eh. Das ist gefährlich, denn so rechtfertige ich meine Lebensführung und mache, was ich will.
Dietrich Bonhoeffer hat das treffend formuliert: Eine billige Gnade ohne Nachfolge führt schlussendlich dazu, dass Sünde gerechtfertigt wird, damit im Leben alles beim Alten bleiben kann. Wenn es in meinem Leben keine Veränderung gibt, kein Wachstum in der Beziehung zu Jesus und alles gleich bleibt, muss ich mich fragen, wo ich eigentlich stehe.
Wir müssen immer wieder prüfen, ob wir in die Gesetzlichkeit oder in den Relativismus abgerutscht sind, und uns neu auf Jesus ausrichten. Ich stehe nie über der Gnade, egal wie lange ich schon mit Gott lebe oder was ich für ihn aufgegeben habe. Ich habe kein Recht, etwas von Gott zu erwarten nach dem Motto: Ich mache das für dich, also machst du das für mich.
Man kann es so zusammenfassen: Gesetzlichkeit sagt, meine Leistung und meine Veränderung führen zur Annahme durch Gott. Relativismus sagt, ich habe die Annahme ohne jegliche Veränderung. Das Evangelium aber sagt: Die Annahme führt zur Veränderung.
Ich bin von Gott angenommen und geliebt. Lasse ich das zu? Oder bin ich hart zu mir selbst und sage, für mich gilt das nicht? Es ist so wichtig, diese Gnade für sich selbst anzunehmen. Ein guter Freund von mir hat einmal gesagt: Die Rettung ist gratis, aber die Nachfolge kostet dich alles.
Er nimmt unsere Schuld und schenkt uns seine Gnade. Er trägt unsere Scham und gibt uns seine Würde. Er nimmt unsere Gottesferne und macht uns zu Kindern des Vaters. Er trägt unsere Angst und schenkt uns seinen Frieden. Er trägt unsere Wunden und Zerbrochenheit und beginnt uns heil zu machen. Er nimmt unsere Ablehnung und schenkt uns Annahme. Er trägt unsere Einsamkeit und schenkt uns ewige Gemeinschaft mit Gott. Er geht in unseren Tod hinein und schenkt uns sein Leben.