Die Kraft vom Wort Gottes

Predigt von David Ohnemus · 6. September 2026

In dieser Predigt nimmt David Ohnemus dich mit auf eine Entdeckungsreise zur Kraft des Wortes Gottes. Du erfährst, wie Gott sich in der Schöpfung und ganz greifbar in Jesus Christus offenbart – nicht als Regelbuch, sondern als lebendige Kraft, die dich aufrichtet und erneuert. Entdecke, wie Gottes Reden deinem Alltag Sinn gibt und dich von innen her verändert.

Teil der Serie KRAFT

Bibelstellen: 1. Mose 1,26, 1. Mose 2,7, Johannes 1,1, Johannes 1,14, Johannes 3,16, Johannes 14,6, Psalm 19,2-5, Römer 3, Hebräer 1,1-2, 2. Timotheus 3,16

Predigt zum Nachlesen

Ein unvergleichliches Buch

Wenn wir an das Wort Gottes denken, denken die meisten von uns sofort an die Bibel. Die Bibel ist eigentlich kein einzelnes Buch, sondern eine ganze Bibliothek aus 66 Büchern: 39 im Alten Testament und 27 im Neuen Testament. An der Theologieschule in London, an der ich studiert habe, war der Türcode passenderweise 3927.

Diese 66 Schriften wurden von ganz unterschiedlichen Menschen verfasst: von Königen, Priestern und Propheten, von Gelehrten und Philosophen, aber genauso von Fischern, Bauern, Dichtern und einem Arzt. Sie enthält Briefe, Geschichtsberichte, Lieder und prophetische Texte wie die Offenbarung. Geschrieben wurde sie ursprünglich in drei Sprachen: Hebräisch, ein wenig Aramäisch und Griechisch. Heute ist die ganze Bibel in über 800 Sprachen und Teile davon in mehr als 4000 Sprachen übersetzt. Sie ist und bleibt der meistverkaufte und meistübersetzte Bestseller aller Zeiten.

Kein anderes Buch hat unsere westliche Zivilisation so tief geprägt wie dieses. Dank der biblischen Botschaft kennen wir Menschenwürde und Menschenrechte, Krankenhäuser und Sozialsysteme oder die Siebentagewoche mit dem Sonntag als Ruhetag. Sogar unsere Zeitrechnung orientiert sich an Christus. Auch Bildung und Wissenschaft wurden massgeblich von der Kirche angestossen. Die ersten Universitäten in Oxford, Cambridge, Basel, Yale oder Princeton entstanden alle aus diesem christlichen Glauben heraus.

Warum im Wort Kraft liegt

Doch worin liegt eigentlich die Kraft dieses Buches? Liegt sie im bedruckten Papier? Man hört manchmal Geschichten von Häusern, die völlig niedergebrannt sind, wo aber die Bibel unversehrt aus den Trümmern geborgen wurde. Oder von Soldaten, bei denen ein Neues Testament in der Brusttasche eine Kugel abfing. Doch die eigentliche Kraft liegt nicht im Papier.

Wenn man jemanden kennenlernen möchte, dann redet man miteinander. Bei unserem ersten Date vor dreizehn Jahren sassen meine Frau und ich in St. Gallen im Starbucks. Wir sassen dort und haben geredet. Genau das ist der zentrale Grund, warum im Wort Gottes eine solche Kraft liegt: Gott spricht. Er teilt sich mit, er kommuniziert.

Schon auf der ersten Seite der Bibel begegnet uns Gott als ein sprechender Gott. Am Anfang war Dunkelheit und Leere, und dann sprach Gott: Es werde Licht! Und das Licht entstand. Gott rief Planeten, Sterne und Meere ins Dasein. Sein Wort besitzt schöpferische Kraft. In 1. Mose 1,26 heisst es: «Lasst uns Menschen machen nach unserem Bilde, uns ähnlich.» Und in 1. Mose 2,7 hauchte Gott dem Menschen seinen Atem ein, sodass er eine lebendige Seele wurde. Gottes Wort schenkt Leben.

Das Wort hat einen Namen

Johannes greift diesen Gedanken am Anfang seines Evangeliums auf. In Johannes 1,1 schreibt er: «Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Alle Dinge sind durch dieses Wort geworden.» Doch dann geschieht etwas Aussergewöhnliches: Dieses göttliche Wort bekommt einen Namen.

In Johannes 1,14 heisst es: «Und das Wort wurde Mensch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit.» Das Wort, das das gesamte Universum ins Dasein gerufen hat, heisst nicht Bibel. Der Name dieses Wortes lautet Jesus Christus! In ihm liegt die ganze schöpferische Kraft Gottes gebündelt.

Wenn wir das Wirken von Jesus anschauen, sehen wir genau diese Kraft: Er sprach zu Toten, und sie wurden lebendig. Er sprach zu Gelähmten, und sie standen auf. Er redete zu Blinden und Tauben, und sie konnten sehen und hören. Seine Worte stellen zerbrochenes Leben wieder her. Wenn du dich innerlich am Boden fühlst, will Jesus dir heute zusprechen, dass du wertvoll bist und eine Würde hast.

Das erste Buch: Die Schöpfung

Gott hat sich entschieden, seine Botschaft in zwei Büchern für uns festzuhalten. Das erste Buch ist die Schöpfung. In der Theologie nennen wir das die allgemeine Offenbarung. Gott hat seine Handschrift in der ganzen Natur hinterlassen.

In Psalm 19,2-5 heisst es: «Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe verkündet das Werk seiner Hände. Ein Tag sagt es dem anderen, und eine Nacht teilt es der anderen mit. Ohne Sprache und ohne Worte, unhörbar ist ihre Stimme. Und doch geht ihr Schall über die ganze Erde, ihre Sprache bis ans Ende der Welt.» Ob wir in die Weiten des Weltalls mit Milliarden Galaxien blicken oder in den Mikrokosmos unserer eigenen DNA, die wie ein geschriebener Code funktioniert: Überall begegnet uns die Genialität des Schöpfers.

Doch das Buch der Schöpfung erzählt nicht nur von Herrlichkeit, sondern auch vom Fall. Wir sehen dort ebenso Naturkatastrophen, Krankheiten, Ungerechtigkeit und den Tod. Das alles erinnert uns schmerzhaft daran, dass diese Welt zerbrochen ist. Die Schöpfung seufzt wie in Geburtswehen und wartet auf Wiederherstellung. Und vor allem: Die Schöpfung verrät uns nicht, wer der Retter ist.

Das zweite Buch: Die Heilige Schrift

Weil die Schöpfung uns den Retter nicht mit Namen nennen kann, hat Gott ein zweites Buch geschrieben: die Bibel. Sie ist seine spezifische, konkrete Offenbarung. Alles darin weist auf Jesus hin. Das Alte Testament schaut vorausschauend auf ihn, das Neue Testament blickt auf ihn zurück. Jesus ist der Dreh- und Angelpunkt.

Im Hebräerbrief steht: «Vor langer Zeit hat Gott zu uns auf vielfältige Weise durch die Propheten gesprochen. Aber jetzt in diesen letzten Tagen hat er durch seinen Sohn zu uns gesprochen.» Gott ist keine unpersönliche Energie im Universum. Wir kennen seinen Namen: Jesus, der Messias, geboren in Bethlehem, gestorben am römischen Kreuz, auferstanden am dritten Tag vor über 500 Zeugen.

In 2. Timotheus 3,16 heisst es: «Alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingehaucht.» Derselbe Lebensatem, der dem ersten Menschen Leben einblies, steckt in diesen Texten. Menschen haben sie unter der Leitung des Heiligen Geistes aufgeschrieben. Darum hat die Bibel göttliche Autorität. Sie steht über unseren Meinungen, Plänen und unserem gesamten Leben.

Vier Wirkungen des Wortes Gottes

In diesem Vers aus dem 2. Timotheusbrief werden vier Dinge genannt, die das Wort Gottes in uns bewirkt. Erstens: Es unterweist uns in der Wahrheit. Es zeigt uns, wer Gott ist, wer wir sind, welchen Sinn unser Leben hat und was für eine Zukunft auf uns wartet.

Zweitens: Das Wort deckt Schuld auf. Die Bibel ist wie ein klarer Spiegel. Das ist manchmal unbequem, denn sie zeigt uns, dass Stolz, Egoismus und Sünde in uns wohnen. Jeder, der Kinder hat, weiss: Egoismus muss man ihnen nicht beibringen, der ist schon da. Wir sind Teil des Problems auf dieser Welt, und das Wort Gottes benennt das schonungslos.

Drittens: Es bringt uns auf den richtigen Weg. Viele meinen, der richtige Weg bestehe einfach darin, ein besserer Mensch zu werden, gute Taten zu vollbringen oder etwas zu spenden. Aber in Johannes 14,6 sagt Jesus: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater ausser durch mich.» Sünde bedeutet im biblischen Sinn eigentlich eine Zielverfehlung, wie ein Pfeil, der das Ziel verfehlt. Jesus korrigiert unsere Richtung und bringt uns zurück zum Vater.

Viertens: Es erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen. Das bedeutet Hoffnung: Du musst nicht so bleiben, wie du bist! Durch den Heiligen Geist kann Gott dich von innen her erneuern. Er schenkt dir eine neue Gesinnung und lässt Früchte wie Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Treue und Selbstbeherrschung in deinem Alltag wachsen.

Gottes Briefe an dich lesen

Zum Schluss bleibt die Frage: Kennst du diese beiden Briefe, die Gott an dich geschrieben hat? Nimmst du dir Zeit, im Buch der Schöpfung seine Handschrift zu entdecken, sei es bei einem Spaziergang, beim Staunen über die Natur oder bei einem guten Essen mit Freunden?

Und liest du das zweite Buch, die Heilige Schrift? Ich möchte dich ermutigen: Kaufe dir eine schöne Bibel, eine Übersetzung oder Studienbibel, die dir Freude macht aufzuschlagen. Lass dieses Wort auf dich wirken und bitte den Heiligen Geist, dass er es in dir lebendig macht.

Wir brauchen dieses Wort, denn nur Jesus hat Worte des ewigen Lebens. Wo Worte von Menschen uns niederdrücken, will Gottes Wort uns aufrichten, uns Würde schenken und unser Leben auf das richtige Ziel ausrichten.

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Viva Kirche Amriswil