Predigt von Lars Diem · 13. September 2026
In dieser Predigt geht es um die unveränderliche Kraft der christlichen Botschaft und wie wir sie heute authentisch weitergeben können. Anhand persönlicher Geschichten und historischer Vorbilder lernst du, warum es sich lohnt, für geliebte Menschen dranzubleiben. Du erfährst zudem, wie du echte Brücken zu anderen baust, ohne deine eigenen Werte aufzugeben.
Teil der Serie KRAFT
Bibelstellen: 1. Korinther 1,18, Jesaja 55,10-11, 1. Korinther 3,6, 1. Korinther 2,2, 1. Korinther 9,22, Apostelgeschichte 17,16-34
Heute geht es um die Kraft der Botschaft. Vielleicht ging es dir auch schon so: Du bist innerlich auf einen Berg gestiegen und hast über deine Stadt geschaut oder über das Gebiet, in dem du dir einen Durchbruch wünschst. Du hast gebetet für deinen Grossvater, deinen Bruder oder dein Kind, die ganz andere Wege eingeschlagen haben als erhofft. Du betest und betest, aber scheinbar verändert sich nichts, alles bleibt beim Alten. Manchmal ist man versucht aufzugeben und fragt sich: Wie erreicht das Evangelium überhaupt das Herz eines Menschen?
Ich habe das selbst bei meinem Grossvater erlebt. Ich bin praktisch bei ihm aufgewachsen, habe ihn fast täglich gesehen und ihn unglaublich geliebt. Er war für mich wie ein Vater mit einer starken Ausstrahlung. Doch sobald das Thema auf den Glauben kam, stand er auf und ging. Das hat mir fast das Herz zerrissen, denn ich wünschte mir so sehr, dass er Jesus kennenlernt. Eines Tages nutzte ich einen Moment im Auto meiner Mutter. Ich setzte mich neben ihn, legte meine Hand mit sanftem Druck auf seine Schulter, damit er nicht aufstehen konnte, und erklärte ihm das Evangelium noch einmal von Grund auf. Als ich fertig war, stand er trotzdem wortlos auf und ging. In meinem Herzen schrie ich zu Gott um Gnade für ihn.
In 1. Korinther 1,18 heisst es: «In den Augen derer, die verloren gehen, ist die Botschaft vom Kreuz etwas völlig Unsinniges, eine Torheit. Für uns aber, die wir gerettet werden, ist sie der Inbegriff von Gottes Kraft.» Das dürfen wir nie vergessen: In dieser Botschaft liegt Gottes Kraft. Anhand von drei Männern aus unterschiedlichen Zeiten wollen wir sehen, was das bedeutet: Hans Egede zeigt uns, was es heisst, treu zu sein, auch wenn man keine Frucht sieht. Johann Beck zeigt uns, wo die eigentliche Kraft der Botschaft liegt. Und Paulus zeigt uns, wie man Menschen dort begegnet, wo sie stehen.
Hans Egede bekam von Gott eine Vision für das Volk der Inuit in Grönland, das noch nie von Gott gehört hatte. Ein Feuer begann in ihm zu brennen, ihnen das Evangelium zu bringen. Seine Frau Gertrud Rask hatte anfangs grosse Bedenken und viele Gegenargumente. Doch als sie merkte, wie ernst es ihm war, fing auch in ihr das Feuer an zu brennen. Nach vielen überwundenen Hürden siedelte die Familie 1721 nach Grönland über.
Dort stand Hans vor einer gewaltigen Herausforderung: Wie tritt man mit Menschen in Kontakt, deren Sprache man nicht spricht und die sich völlig anders verhalten als Europäer? Hans betete viel auf den Knien und blieb treu, auch im Widerstand. Sie nahmen einheimische Kinder auf und investierten jahrelang. Es gab zwar Taufen, aber sichtbare geistliche Frucht blieb weitgehend aus.
1733 brach dann eine verheerende Pockenepidemie aus. Die Menschen waren der Krankheit schutzlos ausgeliefert. Gertrud setzte sich mit aller Kraft ein, pflegte die Kranken und gab buchstäblich alles, bis sie schliesslich an völliger Erschöpfung selbst starb. Hans Egede kehrte rund ein Jahr später nach Europa zurück. Man könnte sich fragen: War das alles umsonst? Was hat all das Investieren gebracht, wenn man am Ende alles verliert?
Genau an diesem Punkt tröstet uns die Verheissung aus Jesaja 55,10-11: Wie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und fruchtbar zu machen, damit Brot zum Essen und Saatgut da ist, so ist es auch mit Gottes Wort: Es kehrt nicht leer zurück, sondern bewirkt, was er will. Kein Wort Gottes kehrt leer zurück. Es fällt manchmal auf steinigen Boden, manchmal unter die Dornen, aber eben auch auf guten Boden.
Paulus schreibt in 1. Korinther 3,6: «Ich habe gepflanzt, Apollos hat gegossen, aber Gott hat es wachsen lassen.» Das ist das Geheimnis. Wir können nicht an der Pflanze ziehen, damit sie schneller wächst – sonst machen wir sie kaputt. Gott respektiert den freien Willen des Menschen, und wir können Wachstum nicht erzwingen. Unsere Aufgabe ist es nicht zu ziehen, sondern zu beten, zu lieben, dranzubleiben und Geduld zu haben. Gottes Zeitrechnung kennt manchmal nur zwei Geschwindigkeiten: langsam und sehr langsam.
Bei meinem Grossvater dauerte es viele Jahre. Er kam schliesslich ins Altersheim, wurde dement und vergesslich. Doch ich betete weiter um sein Herz. Eines Tages brach er im Lift des Heims zusammen. Ausgerechnet in diesem Moment war der Hausarzt im Gebäude und konnte Erste Hilfe leisten. Mein Grossvater lebte danach noch genau zwei Wochen. Und in diesen letzten zwei Wochen seines Lebens hat er sein Leben Jesus übergeben! Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Darum: Verliere die Hoffnung nicht, gib nicht auf!
38 Jahre nach Hans Egede machten sich Herrnhuter Missionare auf den Weg nach Grönland, darunter Matthäus Stach, Christian David und später Johann Beck. Jahrelang hielten sie Missionskonferenzen ab und versuchten den Inuit zu erklären, dass es einen Gott gibt, brachten ihnen Gebote bei und erklärten moralisch, was richtig und falsch ist. Doch das brachte nicht die gewünschte Frucht.
Bis zu jenem göttlichen Moment, einem Kairos-Augenblick: Johann Beck sass in seiner Hütte und übersetzte die Bibel. Plötzlich trat eine Gruppe Inuit herein, darunter ein Mann namens Kajarnak. Sie sahen ihn schreiben und fragten erstaunt, was er da mache. Johann Beck las ihnen einfach die Botschaft vom Kreuz vor, genau so, wie sie im Wort Gottes stand. Diese Botschaft traf Kajarnak mitten ins Herz. Er stellte Fragen und entschied sich als erster Inuk für Jesus. Eine gewaltige Erweckung begann.
Graf Zinzendorf und die Herrnhuter erkannten dadurch ein grundlegendes Prinzip: Bis dahin hatte man versucht, den Menschen zuerst Moral und Regeln beizubringen. Doch die Kraft liegt nicht in moralischen Belehrungen, sondern in der Botschaft vom Kreuz! Wir müssen keine neue Botschaft erfinden und dürfen das Evangelium nicht verändern. Als Kind habe ich einmal ein Radio auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt – danach funktionierte es nicht mehr. Wenn wir am Evangelium herumbasteln, geht die Gotteskraft verloren.
In 1. Korinther 2,2 sagt Paulus: «Denn ich hatte mich entschlossen, unter euch nichts anderes zu kennen als Jesus Christus, und ihn als Gekreuzigten.» Doch wie erreichen wir die Menschen damit? Als Paulus nach Athen kam, war dort alles ganz anders als an den Orten, an denen er zuvor Gemeinden gegründet hatte. Er stellte sich nicht einfach sofort auf den Marktplatz, um loszupredigen. Er beobachtete zuerst und hörte zu.
Ein Satz hat mir sehr geholfen: Kultur ist die Strategie zur Daseinsbewältigung. Wenn ich nicht verstehe, wie mein Gegenüber sein Leben bewältigt, kann ich ihn nicht verstehen. Paulus versuchte die Gedankenwelt der Athener zu begreifen. Wir müssen lernen, die richtigen Fragen zu stellen: Was gibt meinem Gegenüber Sinn im Leben? Was macht ihn in seinen eigenen Augen wertvoll? Wie geht die Person mit Schuld, Leid und Angst um? Wo sucht sie Sicherheit?
In Athen entdeckte Paulus einen Altar mit der Aufschrift: «Dem unbekannten Gott». Er verurteilte die Menschen nicht und sagte nicht: «Ihr macht alles falsch mit euren Götzen.» Stattdessen knüpfte er gemäss Apostelgeschichte 17 positiv an: «Ihr Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr aussergewöhnlich religiöse Leute. Die Gottheit, die ihr verehrt, ohne sie zu kennen, die verkündige ich euch.» Paulus baute eine Brücke, anstatt mit moralischen Vorhaltungen zu kommen.
Paulus schreibt in 1. Korinther 9,22: «Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, um die Schwachen zu gewinnen. Ich bin allen alles geworden, um unter allen Umständen wenigstens einige zu retten.» Paulus hätte mit seinem enormen theologischen Wissen auftreten können. Doch er nahm sich selbst zurück. Er veränderte niemals die Botschaft, aber er passte sich als Botschafter den Menschen an. Das ist der entscheidende Unterschied: Wir dürfen nicht die Botschaft anpassen, sondern wir als Botschafter müssen uns anpassen. Das kostet etwas, aber es baut Brücken.
Ich möchte dich ermutigen: Wenn du in einer Situation bist, in der du am liebsten das Handtuch werfen willst, weil du keine Frucht siehst – gib nicht auf! Bete weiter, liebe weiter, säe weiter. Vertraue auf die Kraft des Evangeliums. Wir verändern die Botschaft nicht, aber wir begegnen den Menschen dort, wo sie stehen, und versuchen zu verstehen, warum sie so denken und handeln.
Manchmal dürfen wir einfach still sein und den Heiligen Geist bitten, uns die richtigen Worte zu schenken, oder einfach aushalten, nur zuzuhören. Jesus hat am Kreuz alles vollbracht; wir müssen nichts hinzufügen. Lass dein Herz von Gott heilen, wenn du Enttäuschungen erlebt hast, und bitte ihn, das Feuer der Leidenschaft für die Menschen in deiner Umgebung ganz neu in dir zu entfachen.