Predigt von David Ohnemus · 20. September 2026
Wir stellen uns Gott oft als sparsam oder kleinlich vor. Doch Jesus zeichnet das Bild eines Vaters, der geradezu verschwenderisch grosszügig ist. Lass dich herausfordern, deine eigene Anspruchshaltung abzulegen und die befreiende Kraft des Gebens zu entdecken.
Teil der Serie KRAFT
Bibelstellen: Johannes 3, Lukas 6,38, Lukas 15,11-24, Matthäus 18,23-35
Wir sprechen heute über die Kraft des Gebens. Jesus redet unglaublich viel über das Geben, und Erntedank ist ein guter Moment dafür. Ich möchte euch eine kleine Geschichte dazu erzählen.
Vor den Sommerferien waren wir bei Familie B. Ihr Sohn ist im gleichen Alter wie unser Micha. Sie waren auf Mission in Marseille. Ein Junge dort hatte ein Original-Trikot von Olympique Marseille, das ihm sehr wichtig war. Er hat es Micha geschenkt. Ich habe die strahlenden Augen dieses Jungen gesehen. Diese Grosszügigkeit hat mich sehr berührt.
Später im Sommer waren wir in England und haben eine Familie besucht. Wir haben mit einem Spielball namens Perplexus gespielt. Wir haben uns als Familie entschieden, diesen Ball und ein Schweizer Taschenmesser zu verschenken, um die Kraft des Gebens zu trainieren. Zwei, drei Wochen später kam eine Karte aus England zurück. Vorne war der Ball gemalt, drinnen stand ein Danke. Das ist ein schönes Bild für die Kraft des Gebens. Man lässt etwas los, gibt etwas her, und das löst wieder etwas aus.
Es gibt einen sehr bekannten Vers in der Bibel, im Johannesevangelium 3,16. Dort lesen wir, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen, eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben bekommt.
Wenn man über das Geben redet, müssen wir mit der Wahrheit starten, dass Gott gibt. Gott ist in seiner Natur ein gebender Gott. Er ist die grösste gebende Kraft im Universum und mit Abstand die grosszügigste Person überhaupt. Er ist sogar verschwenderisch grosszügig. Er füllt das Glas nicht einfach bis zum Rand, sondern lässt es überfliessen. Er gibt nicht einfach nur Brot und Wasser, das Nötigste, sondern er deckt den Tisch.
Vielleicht bist du eher sparsam und vorsichtig aufgewachsen. Das sind vielleicht gute Gründe, aber ich möchte heute ein Gottesbild für seine Grosszügigkeit schaffen. Dazu schauen wir uns zwei Geschichten aus der Bibel an.
Die erste Geschichte beginnt damit, dass Jesus sagt: Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Dienern abrechnen wollte. Gleich zu Beginn brachte man einen vor ihn, der ihm 10 000 Talente schuldete. Ein Talent ist in etwa der Bruttolohn nach 20 Jahren Arbeit. Wenn wir von 80 000 Franken Jahreslohn ausgehen, sind das 1,6 Millionen Franken. Der Diener schuldet dem König also 10 000 Talente, das sind umgerechnet 16 Milliarden Schweizer Franken.
Dieser Betrag ist unvorstellbar. Der Diener wirft sich vor dem König nieder und bittet auf den Knien: Hab Geduld mit mir, ich will dir alles zurückzahlen. Das ist völliger Blödsinn, er hätte keine Chance, das jemals zurückzuzahlen. Da hatte der Herr und König Mitleid mit seinem Diener und er liess ihn frei und auch die ganze Schuld erliess er ihm. 16 Milliarden Franken sind einfach weg. Das ist eine unvorstellbare Grosszügigkeit. Und Jesus sagt: So ist es mit dem Himmelreich.
Die Geschichte nimmt leider eine tragische Wendung. Der freigesprochene Diener geht hinaus und trifft einen Freund, der ihm Geld schuldet. Umgerechnet sind das etwa 20 000 Franken. Auch er bittet um Geduld. 20 000 Franken könnte man in 10 oder 20 Jahren zurückzahlen. Aber der erste Diener packt ihn, würgt ihn und lässt ihn ins Gefängnis werfen, bis er alles zurückgezahlt hat. Das ist tragisch. Es bedeutet, dass die Beschenkten nicht automatisch auch andere beschenken. Die, denen vergeben wurde, vergeben nicht automatisch. Die Kraft des Gebens passiert nicht einfach automatisch.
Die zweite Geschichte handelt von einem reichen Vater, der zwei Söhne hat. Der jüngere Sohn kommt zum Vater und sagt, er möchte sein Leben selbst geniessen und bittet um seinen Erbvorbezug. In der damaligen Scham- und Ehrkultur war das eine bodenlose Frechheit. Er sagt dem Vater damit eigentlich: Mir wäre es recht, wenn du tot wärst. Die Leute hätten erwartet, dass der Vater ihn verprügelt und wegjagt.
Aber es passiert das Unvorstellbare. Die Bibel sagt: Da teilte der Vater das Vermögen unter die beiden auf. Das macht kein Vater, das spielt in der gleichen Liga wie die 16 Milliarden. Wenige Tage später hatte der jüngere Sohn seinen ganzen Anteil verkauft. Er hat Ländereien und Aktien zu Geld gemacht, ist losgezogen und hat sein ganzes Vermögen verschwendet.
Aber wisst ihr, wer auch sein ganzes Vermögen verschwendet hat? Der Vater. Dieser Vater ist ein Bild für Gott. Er ist so verschwenderisch und grosszügig, dass es fast schon skandalös und irrational wirkt. Jesus möchte, dass wir ein Bild von der Grosszügigkeit Gottes haben. Wenn wir an Gott denken, fallen wir lieber auf der verschwenderischen Seite vom Pferd als auf der sparsamen.
Der jüngere Sohn landet am absoluten Tiefpunkt. Er hütet Schweine, was für einen Juden unrein ist, und wünscht sich, das Schweinefutter essen zu können. Er wagt es tatsächlich, sich auf den Weg zurück zum Vater zu machen. Er ist verdreckt und stinkt. Und wenn du denkst, dass der Vater im Himmel grosszügig ist, dann ist das, was jetzt kommt, absolut unvorstellbar.
Die Bibel sagt, der Vater rennt ihm voller Mitleid entgegen und fällt ihm um den Hals. Er küsst ihn. Dann ruft er seine Diener und lässt das beste Gewand holen, das Kleid des Vaters, und bekleidet ihn wieder mit Würde. Er lässt ihm den Familien-Siegelring anstecken. Das ist wie eine Kreditkarte, er gibt ihm wieder Vollmacht und Autorität. Er lässt ihm Sandalen bringen, was bedeutet: Du gehörst zurück in meine Familie. Wenn der Vater stirbt, wird dieser Sohn wieder erben. Es ist eine mehrmalige Grosszügigkeit.
Der Vater gibt noch einen Auftrag: Holt das Mastkalb und schlachtet es. Wir machen ein riesiges Fest und laden das ganze Dorf ein. Der Vater zeigt auf diesen verlumpten Jungen und sagt: Das ist mein Sohn und er lebt. Das bedeutet Umdenken. Ich glaube, einige von uns müssen neu denken, wenn sie an Gott denken. Stell dir Gott unvorstellbar grosszügig vor.
Auch in dieser Geschichte gibt es eine unschöne Wendung. Der ältere Sohn hat den Vater immer als sparsam und knausrig gesehen. In seinem Herzen ist er bitter geworden, als er plötzlich die extreme Grosszügigkeit des Vaters erlebt hat. Der Vater geht zu ihm und fragt, warum er nicht mitfeiert. Der ältere Sohn sagt: Vater, du hast mir nie irgendetwas gegeben, und für ihn schlachtest du das Mastkalb. Der Vater antwortet: Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen. Alles, was mein ist, gehört auch dir. Aber weil der ältere Sohn ein falsches Gottesbild hatte, hat er das nie erlebt und ist bitter geworden.
Zum Schluss möchte ich euch zwei Gedanken mitgeben. Der jüngere Sohn steht zweimal vor dem Vater. Beim ersten Mal sagt er: Gib mir. Das ist eine «Gib mir»-Mentalität. Man hat das Gefühl, man verdient etwas. Dann stürzt er ab und schreibt sich eine Entschuldigungsrede. Er sagt: Ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Und dann sagt er: Mach mich zu einem deiner Diener.
Da passiert etwas. Er wächst von der «Gib mir»-Mentalität zu einem «Mach mich». Nicht «gib mir», sondern «brauche mich». Und der Vater macht ihn nicht zum Diener, er macht ihn wieder zu seinem Kind.
Der zweite Gedanke ist ein Bild: Saat isst man nicht. Gott gibt uns immer wieder eine Handvoll Saat und vertraut sie uns an. Was wir oft machen, ist tragisch: Wir nehmen die Handvoll und essen sie. Das füllt den Mund für einen Moment. Aber wenn man sie auswirft, wächst ein ganzes Feld. Das ist die Kraft der Multiplikation im Geben. Das können Gaben, Talente, Geld oder materielle Dinge sein. All diese Sachen sind nicht dazu gedacht, sich den eigenen Mund zu stopfen, sondern um sie zu säen.
Lukas 6,38 sagt: Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. Ihr werdet mit einem vollen, gedrückten, gerüttelten und überlaufenden Mass an Gutem überschüttet. Gott wird das Mass, das du anderen zuwendest, auch für dich anwenden. Gott gibt dir, darum gib. Es ist ein Kreislauf.
Ich möchte noch beten. Danke Jesus für diesen Morgen. Ich bitte für die, deren Bild vom Vater im Himmel zu eng und zu klein ist. Lass uns auf der richtigen Seite vom Pferd fallen. Lass die Kraft des Gebens Realität werden, dass sie von einem zum nächsten geht und Leute inspiriert. Amen.