Predigt von David Ohnemus · 4. Oktober 2026
Wer bin ich? Diese Frage treibt uns alle an. Oft definieren wir uns über unseren Job, unseren Beziehungsstatus oder unsere Leistung – doch diese Säulen sind zerbrechlich. Diese Predigt lädt dich ein, deine wahre Identität zu entdecken, die nicht von Erfolgen oder Rückschlägen abhängt, sondern dir unerschütterlichen Wert und tiefe Freiheit schenkt.
Teil der Serie KRAFT
Bibelstellen: 1. Johannes 3,1, Römer 8,15-16
Wir sind in unserer Serie zum Thema Kraft. Heute geht es um ein grundlegendes Thema: die Kraft der Identität. Man könnte meinen, darüber müsse man nicht mehr reden, aber gerade bei grundlegenden Themen muss man immer wieder überprüfen, ob man noch auf diesem Grund steht und nicht davon wegläuft.
Identität bedeutet, eine Antwort auf die grundlegendste Frage im Leben zu finden: Wer bin ich? Je nachdem, was du darauf antwortest, hat das eine unglaubliche Kraft in deinem Leben. Wenn du im Inneren nicht weiss, wer du bist, klafft da ein Loch. Du wirst versuchen, es mit allem Möglichen zu füllen. Wer bist du also?
Die normale Antwort für mich lautet: Ich bin Dave Ohnemus, ich bin verheiratet mit meiner Frau Sarah, ich bin Vater von zwei Buben, ich bin Pastor und ich wohne in Amriswil. Damit habe ich ein paar Identitätsquellen angezapft: den Namen, den Zivilstand, den Beruf, den Wohnort. Identität startet oft mit den Worten: Ich bin.
Liebe Eltern, seid sehr vorsichtig mit den Worten «Du bist». Es ist schnell passiert, dass man über ein Kind Identitätssätze ausspricht: «Du bist doch so ein Schussel», oder «Du bist immer so laut». Jeder Satz, der mit «Du bist» startet, spricht Identität zu. Wenn so ein Satz nur oft genug über ein Leben ausgesprochen wird, wird er zu einem Glaubenssatz.
In Kombination mit dem Wort «immer» wird es nur noch schlimmer: «Du bist immer am Jammern», «Du bist immer so empfindlich», «Du bist immer so egoistisch». Stimmen haben eine unglaubliche Kraft. Einige dieser destruktiven Stimmen verankern sich zu Glaubenssätzen: Du bist nichts wert, du bist ungeliebt, du bist dumm, du bist nicht schön, du bist schuldig, du bist gescheitert.
Das Gemeine an diesen Stimmen ist: Ein paar davon sind wahr. Manchmal sind wir egoistisch, schuldig und gescheitert. Das macht es kompliziert. Aber genau da liegt die Kraft des Evangeliums. Das Evangelium ist nicht einfach ein Selbsthilfespruch am Spiegel. Das Evangelium ist eine neue, triumphierende Stimme, die über dein Leben ruft und all diese anderen Stimmen übertönt.
Kehren wir zurück zur Frage: Wer bin ich? Normalerweise starten wir mit dem Namen. Mein Name zeigt eine Zugehörigkeit, zu welcher Familie ich gehöre. Irgendwann im Leben kommen viele in eine sogenannte Midlife-Crisis. Man stellt sich plötzlich wieder die grossen Fragen: Wer bin ich eigentlich? Was macht mich aus? Was will ich mit meinem Leben? Die Kinder sind vielleicht aus dem Haus und man sucht neu.
Dann passieren verschiedene Dinge: Männer kaufen sich ein Motorrad, einen Pizzaofen oder eine Barista-Kaffeemaschine. Andere begeben sich auf die Suche nach ihrer Herkunft, zeichnen Stammbäume auf oder machen DNA-Tests im Internet. Es gibt diese Sehnsucht zu wissen, woher man kommt und wo man dazugehört.
Dann geht es weiter mit der Arbeit oder dem Zivilstand. Das sind gewichtige Sätze: Ich bin verheiratet, ich bin Pastor. Das ist ein grosser Teil unseres Lebens. Aber das Problem ist: Diese grossen Themen sind genauso zerbrechlich. Es ist ein ziemlich dünnes Eis für deine Identität, wenn du dich mit deinem ganzen Gewicht darauf stellst. Der Zivilstand kann brechen, der Beruf auch. Dann heisst es plötzlich: Ich bin verwitwet, ich bin geschieden, ich bin arbeitslos, ich bin krank. Diese grossen Themen, an die wir anknüpfen, sind zerbrechlich.
Wir Menschen sind auf der Suche nach unserer Identität. Es scheint, als gäbe es in uns eine vage Erinnerung an eine Zeit, in der alles geklärt war. Eine Zeit, in der ich versöhnt war mit mir selber, mit dem Schöpfer des Himmels und der Erde und mit den Menschen um mich herum. Die Bibel erzählt genau diese Geschichte.
Sie sagt, dass wir im Abbild Gottes geschaffen sind. Er hat uns seinen Lebensatem eingehaucht. Und am sechsten Tag, als der Mensch geschaffen war, machte Gott eine Proklamation über die ganze Schöpfung und sagte: Es ist sehr gut. Aber so fühlt sich die Welt heute nicht mehr an. Irgendetwas ist kaputtgegangen. Etwas von dieser Würde und diesem Wert hat Risse bekommen.
Deshalb irrt der Mensch umher, um das überall wiederzufinden: im Ruf, im Beruf, im Körper, im Status, im Geld, im Intellekt, in Erlebnissen und im Konsum. Wir versuchen, dieses Loch zu stopfen. Aber wenn du all diese Status-Dinge wegstreichst, die doch sehr zerbrechlich sind, bleibt die eine grosse Frage: Wer bist du? Eines Tages wird der Tag kommen, an dem all das wegbricht, spätestens mit dem Tod. Dann wirst du vor dem Schöpfer von Himmel und Erde stehen. Nur du. Und er wird dich fragen: Wer bist du? Ich wünsche mir, dass dann die Antwort aus dir herausschreit: Ich bin dein geliebtes Kind!
In Römer 8 steht: Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht, den Geist, in dem wir Abba, Vater, zu Gott rufen. Und so macht sein Geist uns im Innersten gewiss, dass wir Kinder Gottes sind. Der Heilige Geist kommt in dich, um dieses Zeugnis auszustellen. Und dieses Zeugnis lautet: Du bist Gottes Kind. Sohn, Tochter. Da braucht es keinen Nachnamen mehr, keinen Zivilstand, keinen Beruf. Das ist ein Boden, der felsenfest ist.
Das ist die triumphierende Stimme des Evangeliums, die über alle anderen Stimmen der Welt ruft. Sie sagt: Du bist geliebt, du bist angenommen, du bist zu Hause. Du bist nicht das, was du leistest. Du bist nicht dein Ruf oder deine traurigen Kapitel in der Vergangenheit. Du bist das, was der Schöpfer über dir ausspricht.
Im Moment, als das ursprüngliche Paradies verloren ging, hat Gott sich auf den Weg gemacht. Einen langen, steinigen, schmerzhaften Weg, um seine verlorenen Kinder wiederzufinden. Jesus Christus kam vom Himmel auf die Erde, um all die Verlorenen zurückzurufen: Komm zurück nach Hause, komm zurück in die Familie, komm zurück zum Vater. Dieses geliebte Kind ist noch unfertig, oft egoistisch oder gemein, aber der Status bleibt. Im 1. Johannes 3,1 heisst es: Seht, was für eine Liebe unser himmlischer Vater uns geschenkt hat, nämlich, dass wir seine Kinder genannt werden, und das sind wir auch. Wir müssen das wirklich glauben.
Wenn dir diese Identität fehlt, wirst du dein Leben aus einem Minus heraus leben, aus einem Defizit. Du gehst mit einem Loch in der Seele durchs Leben, im Job, in der Familie, in deinen Beziehungen. Du versuchst, dieses Loch irgendwie zu füllen und brauchst alles um dich herum, um dir Würde und Wert zu geben. Du brauchst den Partner, den Job, das Geld, den Besitz. Du gibst all diesen Dingen einen Gottstatus, und das macht dich kaputt.
Du brauchst ständiges Lob, und auf der anderen Seite lässt dich Kritik völlig einknicken. Wer aus dem Minus lebt, fängt an, sein Umfeld zu manipulieren, um sich selbst aufzuwerten. Das brennt dich aus, macht dich bitter und anstrengend für die Menschen um dich herum. Du wirst nicht fähig, aus einem Überfluss heraus für andere zu leben.
Gott möchte aber, dass du aus einem Identitäts-Plus lebst. Das fängt damit an, dass du das Evangelium hörst und aufatmen kannst. Du weisst, dass dein Wert nicht an deine Erfolge oder dein Scheitern gekoppelt ist. Du weisst, wer du bist. Komplimente steigen dir nicht mehr zu Kopf, du darfst sie einfach dankbar annehmen. Und Kritik trifft dich nicht mehr mitten ins Herz, weil dein Wert nicht davon abhängt. Das ist Freiheit pur. Du musst niemanden mehr manipulieren. Du bist frei.
Das ist die vertraute Botschaft von einem guten Gott, der seine verlorenen Kinder zurückruft. Und ich glaube, wir sind dazu berufen, diese Identität über den Menschen auszusprechen. Das ist Evangelisation: nicht einfach Traktate drucken, sondern diese gute Botschaft, diesen Jubelruf über den Menschen zu proklamieren. Ja, es ist vieles kaputtgegangen in dieser Welt. Aber Gott hat sich auf den Weg gemacht, um dich wiederzufinden. Er ruft dich nach Hause. Und je weiter du vom Vater entfernt bist, desto mehr sehnt sich seine Liebe nach dir. Er wendet sich nicht ab.
Wenn du Mühe hast, dieses Zeugnis vom Heiligen Geist in dir zu erleben, dann streck deine Hände aus und bitte ihn darum: Geist Gottes, ich brauche diesen neuen Bezug dazu, wer ich bin. Wenn alles wegbricht, wenn die Identitätssäulen wie Job oder Zivilstand zerbröckeln, dann soll diese triumphierende Stimme des Evangeliums laut und deutlich gehört werden: Du bist sein geliebtes Kind, und der Vater hat Freude an dir.
Wenn du das heute zum ersten Mal hörst und merkst, dass es dich betrifft, dann nimm es an. Sag: Jesus, ich brauche dich. Ich nehme diese Identität an, die du über mir aussprichst. Und wenn all die Stimmen aus der Vergangenheit dagegen ankämpfen, dann höre auf die triumphierende Stimme des Evangeliums.